Wettbewerb Schülershof

Ort: Halle / Saale
Größe: 6500 m² BGF
Typologie: Wohnungsbau - Neubau mit Sanierung
Status: Wettbewerbsbeitrag 3 Preis

Auszug aus dem Protokoll des Preisgerichtes:

Die Grundidee des Entwurfes ist die Schaffung einer einfachen aber starken Silhouette zum Markt der Stadt Halle (Saale) in einer, den Höhen der umliegenden Bebauung angemessenen Größe. In Anlehnung an das bauhistorische Erbe stellt die neue Dachlandschaft mit der vorgeschlagenen Gebäudegliederung eine Hommage an die ehemalige Individualität des Ortes mit ihrer kleinteiligen und mittelalterlichen Struktur dar.

Ziel des Entwurfes ist ein neues städtebauliches Gefüge mit hohen öffentlichen und halböffentlichen Aufenthaltsqualitäten für die Bewohner der Stadt Halle.

Im konzeptionellen Ansatz wird der Neubau Schülershof Nr. 17 als „das neue Gesicht zur Stadt“ durch ein hohes, schmales und giebelständiges Gebäude mit steilem Schrägdach und raumhohen Einzelgauben ausgebildet. Während im Erdgeschoss durch die Ausbildung von Arkaden und rückversetzten Außenwänden ein halböffentlicher Raum geschaffen wird, ermöglicht die schmale Ausbildung des Neubaus eine direkte fußläufige Verbindung zu den westlich gelegenen Themengärten am Trödel.

Der zweite Neubau - viel diskutiert - im Schülershof Nr. 13 wird vom Konzeptersteller als „Gelenk“ definiert und bildet mittels eines ebenfalls markanten und steilen Schrägdaches den Abschluss zur Steinbockgasse. Der Blickbezug zur unmittelbar benachbarten Marktkirche wird als positiv bewertet, jedoch wird die hohe, dunkle und massiv anmutende Brandwand als kritisch bewertet. Durch die Jury gelobt wird die Anordnung einer gewerblichen Nutzung im Erdgeschoss mit direktem Blickbezug in die angrenzende Umgebung.

Der in der Aufgabenstellung geforderte Umgang mit der bestehenden Brandwand Richtung Marktplatz wird mittels einer horizontal gegliederten Giebelwand mit Blindfenstern begegnet; ein möglicher perspektivischer Anbau bzw. ein Erweiterungsbau ist nach gemeinsamer Auffassung problemlos möglich.

Um dem Hauptziel des Entwurfes - der Belebung des städtischen Raumes - gerecht zu werden, schlägt der Entwurfsverfasser die Verlagerung des bestehenden Wohnraumes aus dem Erdgeschoss im Schülershof 14-16 ins Dachgeschoss vor. Zusätzlicher Wohnraum unter den Dächern der Altstadt ermöglicht eine Durchmischung der Bewohnerschaft, so dass das Erdgeschoss mittels neuer Gewerbeeinheiten zur Stärkung der Nachbarschaften dem Stadttreiben zurückgegeben werden kann.

Die Wohnungen in den Neubauten sind barrierefrei ausgebildet, die vertikale Erschließung ist mittels Aufzügen gegeben.

Eingefasst von den beiden Neubauten Nr. 13 und Nr. 17 werden die Altbauten in Ihrer Art und Weise grundsätzlich belassen. Die Bestandsbauten erhalten im Entwurfskonzept eine Wohnraumerweiterung in der 5. und 6. Etage in Form von Maisonettewohnungen. Die entwurfsdominierende dunkle Fassadenverkleidung der Neubauten wird dem neuen Dachbereich der Altbauten „übergeholfen“, so dass ein Gesamtgefüge entsteht.

Während die im Altbau bestehenden Wohnungen in den Regelgeschossen erhalten bleiben, werden im Schülershof 13 und 17 neben der Gewerbeflächen in den unteren Etagen ab dem 3. Obergeschoss neue Wohnungen angeboten. Die zum Großteil einseitig belichteten und belüfteten Wohnungen erhalten im Entwurf keinen Außenraum. Im 5.OG und DG sind ebenfalls Maisonettewohnungen konzipiert. Die zur Erschließung des gesamten Gebäudes geplante Wendeltreppe wird durch die Jury als fragwürdig angesehen und erschwert aufgrund ihrer Positionierung einen möglichen Anbau Richtung Marktplatz.

Die insgesamt 52 Wohnungen, bestehend aus 2-R, 3-R und 4-R Wohnungen, erfüllen quantitativ die gestellten Anforderungen, jedoch wird aufgrund der innen liegenden Bäder und Küchen, den teilweise nicht vorhandenen Außenräumen sowie der ungünstigen und engen Zimmeraufteilung die gewünschte Wohnqualität des Auslobers nicht erreicht.

Die Arbeit zeichnet sich durch eine filigrane und detaillierte Durcharbeitung aus, welche als positiv bewertet wird. Aufgrund der vorgeschlagenen eloxierten und matten Alu-Dachschindeln als großflächige Dach- und Fassadenverkleidung entsteht eine räumliche Atmosphäre, welche im Schülershof durchaus denkbar ist.

Für die Neubauten wird jeweils ein werksseitig vorgefertigter Holzrahmenbau mit integrierter Holzfaserdämmplatte vorgeschlagen. Holz-Alu-Fenster und neue Stahlbetondecken ergänzen die Grundkonstruktion. Die vorgeschlagene dunkle und auffällige neue Fassadengestaltung nimmt historische Materialien wieder auf, hebt sich jedoch im unmittelbaren Kontext stark ab.

Im Gesamten ist ein interessanter Konzeptentwurf mit einem besonderen städtebaulichen Angebot entstanden. Nach genauer Betrachtung der Grundrisse sind jedoch deutliche Schwächen erkennbar, welche - ohne den Gesamtentwurf in Frage zu stellen - nicht kompensierbar sind.

Der Wettbewerbsbeitrag ist in Gänze ein mutiger Beitrag für einen nachhaltigen Umgang in einer schwierigen Raumsituation im öffentlichen Raum der Stadt Halle (Saale).

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